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Webmaster im Kilt

Abgesehen davon, dass ich gerne im Kilt gehe, bin ich ein ziemlich ordinärer Mann, 100% heterosexual und seit über vierzig Jahren mit meiner wunderbaren Frau verheiratet, was vielleicht doch auch nicht so gewöhnlich ist. Auch werden Sie daraus verstehen, dass ich nicht länger ganz jung bin.

Ich bin nicht Schotte, habe – soviel ich weiß - auch keine schottischen Ahnen. Aber vielleicht bin ich einfach für den Kilt disponiert gewesen, ohne es zu wissen, denn ich bin immer ein Bequemlichkeits-Freak gewesen.
   Noch als ganz kleiner Junge wusste ich nicht besseres, als wenn ich in kurzen Hosen herumrennen konnte. Im Herbst wollte ich lieber wochenlang frieren als kapitulieren und die Kurzen mit langen Hosen ersetzen.
   Im Frühling war der Schnee kaum verschwunden, bevor ich versuchte meiner Mutter zu überzeugen, dass es nun wieder Zeit sei. Bis ich 16 Jahre alt war, war ich mindestens die Hälfte der Zeit in kurzen Hosen.

Meine Kiltgeschichte kurz
Als wir mal in Edinburgh waren, ging ich eines Tages in einen der vielen Kilt-Shops hinein – was ja für einen Touristen kaum außerge-wöhnlich ist.
   Ein Verkäufer, oder war er der Inhaber, berichtete bereitwillig über Tartans, Kilts und Zubehör. Er zeigte, wie ein Kilt genäht wird und fragte, ob er meine Mäße nehmen dürfe.
    

Douglas Tartan

Es dauerte nur wenige Augenblicke, dann ging er zur Stange mit fertigen Kilts, suchte einen heraus und sagte, der wäre ganz sicher meine Größe und fragte, ob ich ihn doch nicht anprobieren möchte.
  Da ich ein höflicher Mensch bin, kam ich seine Aufforderung nach.


Vielleicht hätte ich es nicht tun sollen, denn ab sofort war ich im Klaren, dass ein Kilt etwas ganz besonderes ist. Auch dass ein schwerer Kilt reine Männersache ist.
   Ich kaufte ihn nicht. Wofür sollte ich ihn auch verwenden? Als ich das Geschäft verließ, hatte ich aber mit mir seine Visitenkarte mit meiner Massen auf der Rückseite geschrieben – „just in case“.
   

Vorher hatte er mir versichert, er habe Kunden in fast aller Welt, ob Schotten oder nicht.

Als ich ein Jahr später durch das ziemlich neue Internet stöberte, hatte ich aber „plötzlich“ und etwas „unüberlegt“ per Mäuseklick einen Kilt und etwas Zubehör bestellt.

Ich finde
den Kilt sehr bequem. Für die Freizeit ist er ganz einfach genial, und er ist deshalb zur bedeutenden Erweiterung meiner Garderobe geworden und weithin ein Ersatz von Shorts.  Daraus lässt sich verstehen, dass ich zur Arbeit und sonst noch in Hosen gehe und das gerne, sogar  – das Beste aus zwei Welten, einfach.
   Am Anfang verwendete ich nur den Kilt im Haus und im Garten, dann auch wenn ich fern von zu Hause war. Langsam, aber sicher näherte sich mein Kilttragen der eigenen Gemeinde, und jetzt kann man mich fast täglich im Kilt sehen.
   Meine Frau ist nicht der unterstützende Typ. Mit den Jahren ist sie aber viel, viel toleranter geworden. Mehrmals sind wir sogar Hand in Hand spazieren gegangen mit mir im Kilt.

Die meisten von unseren Nachbarn haben mich längst im Kilt gesichtet. Die, die es nicht haben, haben vermutlich davon gehört.  
   Einige haben es auch kommentiert, alle positiv, übrigens. Und das wichtigste: Meine Welt liegt nicht in Scherben, eher im Gegenteil, würde ich sagen.

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